Klinik für Kinderurologie

Verletzungen/Notfälle

Verletzungen

Gelegentlich kommt es zu Verletzungen des äußeren Genitale durch eine Pfählung (zum Beispiel beim Überklettern eines Zaunes), durch einen Tritt oder auch durch den Reißverschluss der Hose. Verletzungen der Niere und des Harnleiters sind sehr selten, bedürfen aber stets einer sorgfältigen Abklärung, da es auch zeitverzögert zu lebensgefährlichen inneren Blutungen kommen kann.

Diagnostik
Die Diagnosestellung erfolgt bei Genitalverletzungen durch eine körperliche Untersuchung. Meist ist auch eine Sonografie notwendig. Bei Verdacht auf eine Verletzung der Harnröhre kann eine Spiegelung (Endoskopie) im Rahmen einer Kurznarkose notwendig sein. Bei Nierenverletzungen steht auch die Sonographie im Vordergrund. Nicht selten ist aber auch eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich.

Behandlung
Abhängig von der Verletzung und dem Alter des Kindes erfolgt umgehend die Versorgung in Narkose, unter Lachgas oder in Lokalanästhesie.

Damit es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt und die Narkose möglichst risikoarm erfolgen kann, geben sie Ihrem Kinde bei einer Genitalverletzung möglichst nichts mehr zu trinken oder zu essen.

Paraphimose

Manchmal rutscht eine verengte Vorhaut hinter die Eichel, klemmt ein und kann nicht mehr über die Eichel vorgezogen werden. Es kommt zu starken Schmerzen durch eine zunehmende Schwellung der Vorhaut (Paraphimose). Es handelt sich um einen medizinischen Notfall der einer umgehenden ärztlichen Behandlung bedarf.

Diagnostik
Die Diagnosestellung erfolgt durch eine klinische Untersuchung.

Behandlung
Im Falle einer Paraphimose ist es notwendig möglichst schnell die Vorhaut wieder in die normale Position zu bringen. Meist gelingt dies nicht ohne Weiteres, nicht zuletzt da es sehr schmerzhaft sein kann. In diesem Fall kommen Sie bitte umgehend in das KUNO-Notfallzentrum und lassen uns die Maßnahme durchführen. Sollte es uns nicht gelingen die Vorhaut wieder über die Eichel zu ziehen, ist in seltenen Fällen auch ein Schnitt auf der Rückseite der Vorhaut im Rahmen einer kurzen Narkose notwendig.

Hodentorsion

Die Hodentorsion tritt meist spontan auf. Es handelt sich um eine Verdrehung des Hodens um die eigene Achse. Dadurch kommt es zu einer Minderversorgung des Hodens mit Sauerstoff (sogenannte hämorrhagischer Infarkt). Prinzipiell kann dies in jedem Alter auftreten. Wir sehen jedoch eine Häufung im Rahmen der Geburt, bei Kleinkindern vor dem zweiten Lebensjahr sowie zwischen dem 12.-15. Lebensjahr. In der Regel geschieht die Verdrehung spontan ohne erkennbare Ursache (oft auch im Schlaf, meist in den frühen Morgenstunden). Bei einer kompletten Verdrehung kommt es innerhalb von vier bis sechs Stunden zu einer unumkehrbaren Schädigung des Hodengewebes.

Daher sollten sie sich so schnell wie möglich bei uns vorstellen, wenn folgende Beschwerden aufgetreten sind:

> Plötzlich einsetzende Hodenschmerzen
> Der betroffene Hoden liegt höher als gewöhnlich und der Hodensack ist angespannt
> Schmerzen bis in den Unterbauch reichend
> Evtl. Übelkeit und Erbrechen
> Oft gehen geringere Schmerzereignisse voran
> Bei fortgeschrittener und verdrängter Erkrankung: Schwellung des Hodensackes und Entzündungszeichen

Diagnostik
Die Diagnosestellung erfolgt durch eine körperliche und sonografische Untersuchung.

Behandlung
Es erfolgt umgehend die operative Freilegung des betroffenen Hodens und anschließender Fixierung in korrekter Position im Hodensack.

Damit es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt und die Narkose möglichst risikoarm erfolgen kann, geben sie Ihrem Kinde bei dem Verdacht auf eine Hodentorsion möglichst nichts mehr zu trinken oder zu essen.

Entzündungen/Infektionen - Balanitis (Entzündungen der Vorhaut)

Bei Vorliegen einer Vorhautverengung kann es durch Urinrückstände unter der Vorhaut zu einer Entzündung der Vorhaut kommen. Diese kann die Eichel und sogar den Penisschaft miteinbeziehen. Dabei kommt es zu einer Rötung und starken Schwellung der Vorhaut und ggf. der Penisschafthaut. Zusätzlich kann das Wasserlassen schmerzhaft oder behindert sein. Die Diagnosestellung erfolgt durch eine klinische Untersuchung. Gelegentlich kann eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung notwendig sein.

Bei einer milden oder beginnenden Balanitis erfolgt vor allem eine abschwellende und schmerzstillende Therapie mittels desinfizierenden Penisbädern (z.B. Kamille) und Schmerzmitteln (z.B. Nurofen-Saft). Ist die Balanitis ausgeprägter oder geht sogar mit Fieber einher ist eine zusätzliche Therapie mit einem Antibiotikum notwendig. Nach Abheilung und Abschwellung ist eine erneute Vorstellung beim Kinderarzt oder in unserer Sprechstunde notwendig um zu prüfen, ob eine Beschneidung notwendig ist.

Epididymitis/Orchitis (Nebenhoden-/Hodenentzündung)

Bei einer Nebenhoden- oder Hodenentzündung treten zum Teil starke Schmerzen und Schwellung der betroffenen Seite auf. Es kann auch eine Rötung der Hodensackhaut beobachtet werden. Fieber kann auftreten. Eine Nebenhoden-/Hodenentzündung ist oft schwer von einer Hodentorsion zu unterscheiden und sollte deshalb immer abgeklärt werden. Die Ursache der Entzündung kann ein bakterieller oder auch viraler Infekt sein. Die Diagnosestellung erfolgt durch die klinische Untersuchung und eine sonografische Untersuchung. Gelegentlich sind Urin- und Blutuntersuchungen notwendig.

Steht sicher fest, dass es sich um eine Entzündung des Nebenhodens/Hodens handelt erfolgt die symptomatische Therapie mittels Ruhigstellung, lokaler Kühlung und Schmerzmittelgabe (z.B. Ibuprofen). Bei einer ausgeprägten Entzündung ist gegebenenfalls die Gabe eines Antibiotikum notwendig. Zum Ausschluss eines Abszesses (Eiteransammlung) werden sonografische Verlaufskontrollen durchgeführt.

Kann eine Hodentorsion nicht sicher ausgeschlossen werden muss unter Umständen eine operative Freilegung in Narkose erfolgen.

Harnwegsinfektion

Bei Harnwegsinfektionen unterscheiden wir nicht-fieberhafte und fieberhafte Harnwegsinfektionen.
Abhängig vom Alter kann es im Vorfeld zu gehäuftem Wasserlassen bei gleichzeitig nur geringen Urinmengen und unspezifischen Unterbauchbeschwerden kommen. Typische Beschwerden des Erwachsenenalters, wie Brennen beim Wasserlassen treten bei Kindern eher selten auf. Steigt der Infekt bis in die Nieren auf (Pyelonephritis) kann Fieber dazukommen.

Zur Diagnosestellung ist die klinische Untersuchung sowie eine Urin-Untersuchung als Erstmaßnahme notwendig. Dabei ist frisch gewonnener Mittelstrahlurin (nach Vorreinigung des Genitales) zu bevorzugen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann zur Erstuntersuchung ein Beutelurin verwendet werden. Allein aufgrund eines einzigen auffälligen Beutelurin-Befundes darf aber kein Antibiotikium verabreicht werden. Ist der Beutelurin auffällig muss abhängig vom Alter und Geschlecht des Patienten entweder über einen sogenannten Clean-Catch-Urin (Auffangen des Urins beim Wasserlassen), oder über Einmalkatheterismus bzw. eine Blasenpunktion Urin steril gewonnen werden.

Bei einer nicht-fieberhaften Harnwegsinfektion erfolgt die Therapie meist über die Erhöhung der Trinkmenge und pflanzliche Medikamente.  Sollten die Beschwerden anhalten und ist der Urinbefund weiterhin auffällig kann eine antibiotische Therapie notwendig werden.

Bei Nachweis einer fieberhaften Harnwegsinfektion ist eine Therapie mit einem Antibiotikum erforderlich um entzündungsbedingte Nierennarben zu verhindern. Je jünger ein Kind ist, desto größer ist die Gefahr solcher Narben. Deshalb müssen Säuglinge mit fieberhaften Harninfekten meist stationär aufgenommen und behandelt werden. Gerade im Säuglingsalter sollten Sie bei Auftreten von hohen Körpertemperaturen (über 38,5°) innerhalb von 24 Std. – auch am Wochenende - einen Kinderarzt aufsuchen, um den Urin kontrollieren zu lassen und gegebenenfalls eine entsprechende Behandlung einzuleiten. Bei älteren Kindern hängt die Entscheidung vom Gesamtzustand des Patienten ab, meist ist in diesen Fällen jedoch eine ambulante Behandlung ausreichend.

Sollte es zu immer wiederkehrenden fieberhaften Harnwegsinfektionen kommen muss geprüft werden ob ein Reflux (Rückfluss von Urin aus der Blase in die Nieren) vorliegt. Hierfür sollten Sie sich zur Besprechung und gegebenenfalls erweiterten Diagnostik in unserer Sprechstunde vorstellen.

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