WECARE: Wir kümmern uns!

WECARE – Wissenschafts- und Entwicklungs-Campus Regensburg

2018 wurde an der Klinik St. Hedwig der Wissenschafts- und Entwicklungs-Campus Regensburg (WECARE) mit Beteiligung aller Lehrstühle und Kliniken und unter der Leitung des Ärztlichen Direktors, Prof. Dr. Michael Kabesch, gegründet. WECARE bedeutet auch „Wir kümmern uns“ mit vernetzter Forschung um das Wohl unserer Patienten.

Kooperation mit dem Universitätsklinikum Regensburg

WECARE ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer langfristigen Kooperation mit der Universität Regensburg, der durch die Gründung der beiden Lehrstühle für Kinder und Jugendmedizin sowie für Kinder- und Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Klinik St. Hedwig begonnen wurde. Mit WECARE sollen wissenschaftliche Aktivitäten, Forschung und Entwicklung am Standort der Klinik St. Hedwig gefördert, strukturiert und koordiniert werden. In der Tradition des heiligen Johannes von Gott bedeutet das für uns: Forschung zum Wohl der Patienten und Forschung zur Verbesserung aller Aspekte in der Versorgung unserer Patienten gerade da, wo bestehende Forschungsförderung nicht oder nicht gut genug greift.

WECARE Forschungsschwerpunkte

Die ersten tausend Tage

Wissenschaftlich liegt der Schwerpunkt der Forschung von WECARE in den ersten tausend Tagen des Lebens. Denn immer deutlicher zeigt sich, dass diese Zeit eine besonders wichtige, aber auch empfi ndliche Phase in der Entwicklung des Menschen ist. Diese Zeit beginnt mit der embryonalen und fetalen Entwicklung des Kindes im Bauch der Mutter. Und auch die ersten Jahre nach der Geburt sind entscheidend für eine gesunde Entwicklung oder den Beginn von langfristigen und oft lebenslangen Erkrankungen wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Allergien. In diesem Zusammenhang wurde die KUNO-Kids-Gesundheitsstudie gestartet, bei der mittlerweile bereits fast 3.000 Familien aus Regensburg und der Region mitmachen. Eingeladen werden dazu schwangere Frauen, die ihr Kind in der Klinik St. Hedwig zur Welt bringen wollen. Damit wird Schwangerschaft und Geburt ganz intensiv unter dem Aspekt der späteren Gesundheit des Kindes betrachtet, aber auch Aspekte der mütterlichen Gesundheit und Schwangerengesundheit werden in einem ganzheitlichen Kontext beleuchtet. Mit den Studienkindern wächst auch die Studie und entwickelt sich thematisch weiter: Während in den ersten Lebensmonaten beispielsweise das Stillen und der gesunde Säuglingsschlaf wichtige Themen waren, gewinnen bei den drei- bis vierjährigen Kindern zum Beispiel Fragen zur Mediennutzung an Bedeutung.An der KUNO Kids Geburtskohorte sind mittlerweile fast alle Abteilungen der Hedwigsklinik und Wissenschaftler mehrerer deutscher Universitäten beteiligt. Und auch die Jugendämter der Re-gion sowie das bayerische Lan desamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nutzen KUNO Kids zur Durchführung von Projekten aus den Bereichen Vorsorge und Umweltmedizin. WECARE: Wir kümmern uns!

Mit Kindern für Kinder

WECARE beschäftigt sich in einem zweiten Schwerpunkt mit einem Dilemma, das alle Kinderärzte kennen: 70 Prozent der Medikamente, die Kindern verschrieben werden, wurden nicht für diese Altersgruppe in klinischen Studien geprüft. Da Kinder jedoch keine kleinen Erwachsenen sind, bei denen man einfach die Dosis vermindern kann, ist es unabdingbar, dass alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen für Kinder auch „an“ Kindern unter den standardisierten Bedingungen geprüft werden, wie dies bei Erwachsenen selbstverständlich ist. Deshalb lautet unser Grundsatz: „Wir forschen nicht an Kindern, sondern mit Kindern für Kinder“. Wir beteiligen uns also mit WECARE an ausgewählten klinischen Studien, die gezielt die Versorgung von Kindern und auch von Schwangeren, für die bei vielen Medikamenten Ähnliches gilt, verbessern sollen. Daher beinhaltet WECARE ein klinisches Studienzentrum, das mit den bereits existierenden Studienzentren am Universitätsklinikum Regensburg und bei den Barmherzigen Brüdern in der Prüfeninger Straße vernetzt ist. Zu den Tätigkeiten von Dr. Heike Buntrock-Döpke, die das klinische Studienzentrum koordiniert und leitet, gehört

  • die Ausbildung von Klinikmitarbeitern für klinische Studien nach GCP (good clinical practice) Standards,
  • die Planung, Organisation und Durchführung klinischer (AMG) Studien,
  • die Mitarbeit an Registerstudien (vor allem aus dem Bereich Neonatologie und chronischer Erkrankungen).

Wir beteiligen uns aber auch an nationalen und internationalen Großforschungsprojekten: Derzeit werden drei EU-Projekte zur Umwelt-medizin, Asthma und Allergie sowie ein BMBF-Projekt aus dem Themengebiet „Gesund – ein Leben lang“ betreut. Ein gemeinsames Projekt mit den Kinder-kliniken der Barmherzigen Brüder in Rom und Barcelona, bei dem es um die Behandlung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen geht, wurde gerade bei der EU eingereicht.

Krankheiten vorbeugen

Bei den klinischen Studien liegt der Fokus derzeit vor allem bei Studien, die Krankheiten vorbeugen sollen: Ein Projekt befasst sich mit der Vorbeugung von atopischer Dermatitis (Neurodermitis) und ein weiteres, gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München gerade am Start befindliches Projekt, mit der Verhinderung von Asthma durch die Gabe von speziell prozessierter Kuhmilch.

Versorgungsforschung

WECARE setzt aber darüber hinaus ganz bewusst noch einen dritten Schwerpunkt mit der Versorgungsforschung, die durch Dr. Brandstetter vertreten wird. Hier liegt der Fokus auf der „letzten Meile“ des Gesundheitssystems und der Gesundheitsversorgung, also auf der Frage, welche Gesundheitsleistungen unter Alltagsbedingungen in welcher Qualität bei welchen Patienten ankommen. Dabei greift die Versorgungsforschung auf Wissen zurück, das zum Beispiel in klinischen Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten gewonnen wurde (siehe „Klinisches Studienzentrum“), und untersucht, ob ein wirksames Medikament im Alltag auch verordnet wird und warum manche Patienten das Medikament vielleicht nicht entsprechend der Empfehlungen einnehmen. Die Versorgungsforschung widmet sich auch den Herausforderungen, die das gegenwärtige Gesundheitssystem für Patienten, aber auch für die Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten, mit sich bringt. Versorger und Patienten erleben oft, wie wichtig und gleichzeitig aufwändig sich in einem stark segmentierten und hoch spezialisierten Gesundheitssystem die Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen, zwischen ambulanter und stationärer Versorgung oder zwischen kurativer und rehabilitativer Versorgung gestalten kann. Wir wollen hier Beiträge liefern, wie hier Verbesserungen im Sinne der Patienten vor Ort entstehen können. Ganz konkret begleiten wir mit WECARE den kontinuierlichen Qualitätsentwicklungsprozess der Klinik wissenschaftlich und beleuchten Aspekte der Prozess- und Strukturqualität: Am Beispiel der Intensivtherapiestation sollen so in einem Projekt zur Patientensicherheit Bedingungen für eine optimale Kommunikation und Dokumentation herausgearbeitet werden.

WECARE – Wir schaffen eine Plattform

Den Begriff „Campus“ im Namen von WECARE interpretieren wir so, dass wir für alle Mitarbeiter der Klinik unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe eine interdisziplinäre Plattform zum Austausch von Innovationsideen zur Verfügung stellen wollen und die Struktur bereithalten, solche Ideen in Forschungsprojekte oder auch in die klinische Praxis und die Entwicklung von Methoden und medizinischen Produkten umzuwandeln. Das hat bereits mit Beteiligung von Mitarbeitern der Klinik, der IT-Abteilung und einem Programmierer zur Software-Entwicklung für unser Belegungssteuerungstool geführt, das wir zuerst auf der Neugeborenen-Intensivstation eingeführt haben und das nun auch auf den Erwachsenen-Intensivstationen des Krankenhausverbundes der Barmherzigen Brüder eingesetzt werden kann. Auch Workshops, Seminarreihen und Innovationstreffen werden von WECARE organisiert und interessierten Mitarbeitern angeboten. Gerade sind wir dabei, die Pflegewissenschaften in WECARE zu integrieren. In Zukunft wird es daher möglich sein, dass Pfl egende in den Strukturen von WECARE interessante Bachelor- und Master-Projekte finden können und die Betreuung zusammen mit der OTH Regensburg organisiert wird.Wir haben also mit WECARE schlagkräf-tige Strukturen geschaffen und ein hoch motiviertes Team zusammengestellt, um die Herausforderungen von heute zu meistern und in der Tradition der Barm-herzigen Brüder die Behandlung unserer Patienten durch innovative Forschung über Grenzen hinweg stetig zu verbessern. Wir sind fest davon überzeugt, dass es vor allem bei unseren Mitarbeitern jede Menge gute Ideen gibt, wie das gelingen kann. Mit WECARE haben wir nun die Plattform, um diese Schätze zu heben.

Das KUNO Kids Team

Die Mitarbeiterinnen Dr. Christine Wolff und Silvia Gran koordinieren alle Aktivitäten rund um die Geburtskohorte und betreuen ein Team aus mittlerweile über 30 medizinischen Doktoranden, die an der Kohorte mitarbeiten und Themen der Geburtskohorte zu ihren Doktorarbeiten machen. Dr. Susanne Brandstetter ist dabei für die Instandhaltung und die Auswertungen des sehr komplexen KUNO Kids Datensatzes verantwortlich.

Die erste Publikation zur Studie, die das Studiendesign und die Rationale der Studie erklärt, wurde unter ihrer Ägide nun veröffentlicht. Das ist Grundlage und Startschuss für viele weitere Veröffentlichungen, die sich nun mit folgenden Themen beschäftigen werden:

  • Der gesunden Säuglingsschlaf
  • Ernährung in der Schwangerschaft
  • Die frühen Kindheit
  • Neue Kampagnen und Screening-Untersuchungen zur Verhinderung des plötzlichen Kindstodes
  • Projekte zur Verbesserung des Impfens bei Schwangeren
Eine Birne und Papierbälle stehen für "Idee, Konzept"

Kontakt

Justine Heiduk
Koordinatorin WECARE
Tel. +49 (0)941 369 5801
Prüfeningerstraße 21 (2. Stock), 93049 Regensburg