Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Plazentationsstörungen: Plazenta accreta, increta und percreta

Wenn die Plazenta zu tief in die Gebärmutter einwächst

Eine Plazentationsstörung kann bereits in der Schwangerschaft erkannt und gut geplant behandelt werden. Wir begleiten Sie mit spezialisierter Diagnostik, individueller Beratung und einem erfahrenen interdisziplinären Team.

Die Plazenta – auch Mutterkuchen genannt – versorgt Ihr Baby während der Schwangerschaft mit Sauerstoff und Nährstoffen. Normalerweise löst sie sich nach der Geburt von selbst von der Gebärmutterwand. Bei einer Plazentationsstörung wächst die Plazenta ungewöhnlich tief in die Gebärmutterwand ein. Je nachdem, wie tief sie eingewachsen ist, sprechen Fachleute von Plazenta accreta, increta oder percreta. Eine Plazentationsstörung kann insbesondere nach einem oder mehreren Kaiserschnitten auftreten. Auch andere Eingriffe an der Gebärmutter können das Risiko erhöhen.

Warum eine frühe Diagnose wichtig ist?

Eine tief eingewachsene Plazenta kann sich nach der Geburt nicht auf normale Weise von der Gebärmutter lösen. Dadurch kann es zu starken Blutungen kommen. Deshalb ist es wichtig, eine Plazentationsstörung möglichst früh zu erkennen. So können wir die Geburt sorgfältig vorbereiten und gemeinsam mit Ihnen das für Sie und Ihr Baby passende Vorgehen planen.

Plazentationsstörungen früh erkennen

In unserer spezialisierten Ultraschallambulanz untersuchen wir Schwangere mit einem erhöhten Risiko gezielt auf Hinweise auf eine Plazentationsstörung. Dabei beurteilen wir unter anderem die Lage der Plazenta und ihre Beziehung zur Gebärmutterwand. Ein spezialisierter Ultraschall kann wichtige Hinweise darauf geben, ob die Plazenta ungewöhnlich tief eingewachsen ist. Bestätigt sich der Verdacht, besprechen wir die Befunde ausführlich mit Ihnen. Gemeinsam planen wir die weitere Schwangerschaft und die Geburt und bereiten Sie auf mögliche Besonderheiten vor.

Behandlungsmöglichkeiten bei Plazentastörungen

Wenn es die medizinische Situation zulässt, kann ein Erhalt der Gebärmutter in Betracht gezogen werden. Dies hängt immer von Ihrem individuellen Befund ab. Entscheidend ist unter anderem, wie tief und wie großflächig die Plazenta eingewachsen ist und ob benachbarte Organe betroffen sind. 

Je nach Situation können unterschiedliche Verfahren infrage kommen:

Plazenta belassen und kontrolliert abwarten

In bestimmten Fällen kann die Plazenta nach der Geburt in der Gebärmutter belassen werden. Der Körper baut das Plazentagewebe anschließend nach und nach selbst ab. Dieses Vorgehen erfordert eine engmaschige medizinische Kontrolle und kann mehrere Monate dauern.

Fokale Resektion – gezielte Entfernung des betroffenen Bereichs

Bei ausgewählten Befunden kann der betroffene Bereich der Gebärmutter zusammen mit dem eingewachsenen Plazentagewebe gezielt entfernt werden. Dieses Verfahren kann den Erhalt der Gebärmutter ermöglichen.

Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie)

Bei einer ausgeprägten Plazentationsstörung kann es notwendig sein, die Gebärmutter nach der Geburt zu entfernen. Die Plazenta wird dabei in der Regel nicht gewaltsam von der Gebärmutter gelöst, um das Risiko einer starken Blutung zu reduzieren.

Nicht jedes Verfahren ist für jede Patientin geeignet. Welche Behandlung in Ihrer Situation medizinisch sinnvoll und am sichersten ist, entscheiden wir gemeinsam mit Ihnen und in unserem interdisziplinären Expertenteam.

Unser Ziel: Sicherheit für Sie und Ihr Baby.

Unsere Expertise

Bei einer Plazentationsstörung ist eine sorgfältige Vorbereitung und die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche besonders wichtig. An der Klinik St. Hedwig steht Ihnen dieses Expertenteam für die spezialisierte Diagnostik, persönliche Beratung und individuelle Therapieplanung zur Verfügung.

PD Dr. Vural verfügt über besondere Erfahrung in der operativen Behandlung von Plazentationsstörungen und hat ein Verfahren zur organerhaltenden Behandlung entwickelt. Gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Angela Köninger wurde dieses Verfahren am Universitätsklinikum Essen weiterentwickelt.

Vor einer erneuten Schwangerschaft: Kaiserschnittnarbe untersuchen lassen

Ein erhöhtes Risiko für eine Plazentationsstörung besteht insbesondere nach vorausgegangenen Kaiserschnitten. Auch andere Operationen oder Eingriffe an der Gebärmutter können eine Rolle spielen.

Nach einem Kaiserschnitt kann sich an der Narbe eine sogenannte Nische bilden. Dabei ist die Narbe an der Gebärmutter nicht vollständig verheilt. Wenn bei Ihnen eine Nischenbildung bekannt ist oder der Verdacht darauf besteht und Sie erneut schwanger werden möchten, kann eine gezielte Untersuchung der Kaiserschnittnarbe bereits vor einer erneuten Schwangerschaft sinnvoll sein.

Je nach Befund kann eine Behandlung der Nische infrage kommen. Wir beraten Sie gerne individuell dazu.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist eine Plazentationsstörung?

Bei einer Plazentationsstörung wächst die Plazenta tiefer und fester in die Gebärmutterwand ein als normalerweise. Je nach Tiefe des Einwachsens wird zwischen Plazenta accreta, increta und percreta unterschieden.

Warum kann eine Plazentationsstörung nach einem Kaiserschnitt auftreten?

Nach einem Kaiserschnitt kann sich die Gebärmutter im Bereich der Narbe verändern. Dadurch kann sich die Plazenta bei einer späteren Schwangerschaft an dieser Stelle ungewöhnlich tief einnisten. Das Risiko steigt insbesondere mit der Anzahl vorausgegangener Kaiserschnitte.

Was bedeutet Plazenta increta?

Bei einer Plazenta increta wächst die Plazenta tief in die Muskelschicht der Gebärmutter ein. Dadurch kann sie sich nach der Geburt nicht ohne Weiteres von der Gebärmutter lösen.

Was bedeutet Plazenta percreta?

Bei einer Plazenta percreta wächst die Plazenta durch die gesamte Gebärmutterwand hindurch. In schweren Fällen kann sie auch in benachbarte Organe, beispielsweise die Harnblase, einwachsen.

Muss bei einer Plazenta percreta die Gebärmutter entfernt werden?

Nicht grundsätzlich. Bei einer ausgeprägten Plazenta percreta kann die Entfernung der Gebärmutter notwendig sein. In ausgewählten Fällen kommen jedoch auch organerhaltende Verfahren infrage. Ob ein Erhalt der Gebärmutter möglich und medizinisch sinnvoll ist, hängt vom individuellen Befund ab.

Kann die Gebärmutter trotz einer Plazentationsstörung erhalten bleiben?

Bei geeigneten Befunden kann ein organerhaltendes Verfahren möglich sein. Es ist jedoch nicht für jede Patientin geeignet und kann mit besonderen Risiken verbunden sein. Deshalb wird das Vorgehen individuell geplant und sorgfältig mit Ihnen besprochen.

Was ist eine Kaiserschnittnarbenschwangerschaft?

Bei einer Kaiserschnittnarbenschwangerschaft nistet sich die Schwangerschaft im Bereich einer früheren Kaiserschnittnarbe ein. Sie kann mit einem erhöhten Risiko für Blutungen und Plazentationsstörungen verbunden sein. Eine frühzeitige Diagnose und spezialisierte Betreuung sind deshalb besonders wichtig.

Kann man eine Plazentationsstörung schon vor der Geburt erkennen?

Ja. Mit einem spezialisierten Ultraschall können bereits während der Schwangerschaft Hinweise auf eine Plazentationsstörung erkannt werden. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht es, die Geburt und die Behandlung sorgfältig vorzubereiten.

Wann sollte ich mich vorstellen?

Wenn bei Ihnen nach einem oder mehreren Kaiserschnitten die Plazenta tief liegt oder sich der Verdacht auf eine Plazentationsstörung ergeben hat, kann eine spezialisierte Untersuchung sinnvoll sein. Auch bei einer bekannten Nischenbildung können wir Sie bereits vor einer erneuten Schwangerschaft beraten und die Kaiserschnittnarbe gezielt untersuchen.

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