Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Was bedeutet eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung?

Bluthochdruck in der Schwangerschaft kann für Mutter und Kind belastend und in schweren Fällen gefährlich werden. Zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen gehören unter anderem die Schwangerschaftshypertonie und Präeklampsie. Auch das HELLP-Syndrom und die Eklampsie zählen zu den schweren Schwangerschaftskomplikationen, die häufig im Zusammenhang mit einer Präeklampsie auftreten.

In der Klinik St. Hedwig in Regensburg bieten wir eine umfassende Diagnostik und Betreuung bei hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen an. Dabei überwachen und behandeln wir sowohl die Gesundheit der Mutter als auch die Entwicklung und Versorgung des Kindes. Je nach Erkrankung und Schwangerschaftswoche stimmen wir die Behandlung individuell auf Ihre Situation ab.

Präeklampsie und HELLP-Syndrom

Eine Präeklampsie tritt in der Regel nach der 20. Schwangerschaftswoche auf. Typisch sind erhöhte Blutdruckwerte, häufig verbunden mit einer vermehrten Eiweißausscheidung über die Nieren. Auch andere Organe wie Leber, Lunge oder Nervensystem können betroffen sein. Eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Präeklampsie spielt eine gestörte Entwicklung und Funktion der Plazenta. Dadurch kann die Versorgung der Plazenta und damit auch die Versorgung des Kindes beeinträchtigt werden.

Das HELLP-Syndrom ist eine schwere Schwangerschaftskomplikation, die häufig im Zusammenhang mit einer Präeklampsie auftritt. Der Name steht für typische Veränderungen des Blutes und der Leber: die Auflösung roter Blutkörperchen (Hämolyse), erhöhte Leberwerte und eine verringerte Zahl an Blutplättchen. Ein HELLP-Syndrom kann auch ohne die typischen Anzeichen einer Präeklampsie auftreten.

 

Beide Erkrankungen können schwer verlaufen und erfordern deshalb eine engmaschige Betreuung von Mutter und Kind.

Diagnostik bei Präeklampsie und HELLP-Syndrom

Bei Verdacht auf eine Präeklampsie oder ein HELLP-Syndrom untersuchen wir sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind. Dazu gehören unter anderem:

  • regelmäßige Blutdruckmessungen
  • Blut- und Urinuntersuchungen
  • Kontrolle von Leber- und Nierenwerten
  • Bestimmung der Blutplättchen und weiterer Blutwerte
  • Überwachung des Kindes
  • Ultraschall- und Doppleruntersuchungen
  • bei entsprechender Fragestellung die Bestimmung des sFlt-1/PlGF-Quotienten im mütterlichen Blut

Die Blutuntersuchungen helfen dabei, mögliche Auswirkungen der Erkrankung auf die Organe frühzeitig zu erkennen und insbesondere ein HELLP-Syndrom festzustellen oder auszuschließen.

Der sFlt-1/PlGF-Quotient kann zusätzlich dabei helfen, das Risiko für eine Präeklampsie einzuschätzen und die weitere Betreuung zu planen. Er wird insbesondere eingesetzt, wenn bereits ein entsprechender klinischer Verdacht besteht.

Präeklampsie-Screening in der Frühschwangerschaft

Ein erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie kann bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel erkannt werden. In der Klinik St. Hedwig bieten wir zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche ein Präeklampsie-Screening an.

Das Screening umfasst unter anderem:

  • ein ausführliches Gespräch und die Erhebung persönlicher Risikofaktoren
  • Blutdruckmessung
  • Doppleruntersuchung der Gebärmuttergefäße
  • Bestimmung der Blutwerte PAPP-A und PlGF

Das Screening dient dazu, das individuelle Risiko für eine spätere Präeklampsie einzuschätzen. Ein HELLP-Syndrom kann durch dieses Screening nicht festgestellt werden, da es sich typischerweise erst im weiteren Schwangerschaftsverlauf entwickelt.

Wird ein erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie festgestellt, kann eine vorbeugende Behandlung mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) empfohlen werden. Bei entsprechender Indikation sollte sie möglichst früh, in der Regel vor der 16. Schwangerschaftswoche, begonnen werden. Ob ASS für Sie geeignet ist und in welcher Dosierung es eingenommen werden sollte, entscheidet Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt individuell.

Behandlung von Präeklampsie und HELLP-Syndrom

Bei einer diagnostizierten Präeklampsie oder einem HELLP-Syndrom ist eine engmaschige Überwachung von Mutter und Kind besonders wichtig. Je nach Schweregrad gehören dazu regelmäßige Blutdruck- und Laboruntersuchungen sowie die Überwachung der kindlichen Entwicklung und Versorgung.

Bei erhöhtem Blutdruck setzen wir geeignete Medikamente zur Blutdrucksenkung ein. Wenn die Erkrankung fortschreitet oder Mutter oder Kind gefährdet sind, kann eine frühzeitige Entbindung notwendig werden.

Wann der richtige Zeitpunkt für die Geburt gekommen ist und welcher Geburtsmodus geeignet ist, hängt unter anderem von der Schwangerschaftswoche, dem Gesundheitszustand der Mutter und der Versorgung des Kindes ab. Wir besprechen die Möglichkeiten ausführlich mit Ihnen und beziehen bei Bedarf unsere kinderärztlichen und neonatologischen Spezialisten ein.

Plasmaseparation bei schwerer, früher Präeklampsie

Bei ausgewählten Patientinnen mit sehr früher und schwerer Präeklampsie oder einem schweren HELLP-Syndrom kann eine Plasmaseparation als ergänzende Behandlung in Betracht kommen.

Bei diesem Verfahren wird das mütterliche Blut außerhalb des Körpers behandelt, mit dem Ziel, unter anderem den sFlt-1-Spiegel zu reduzieren. Ziel der Behandlung ist es, die Erkrankung zu stabilisieren und die Schwangerschaft möglichst zu verlängern.

In geeigneten Fällen kann dadurch wertvolle Zeit für die weitere Entwicklung des Kindes und beispielsweise für die Lungenreifung gewonnen werden. Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit unseren nephrologischen Spezialisten und wird individuell abgewogen.

Intrauterine Wachstumsrestriktion (IUGR/FGR)

Eine gestörte Plazentafunktion kann dazu führen, dass ein Kind im Mutterleib nicht ausreichend wächst. Fachleute sprechen dabei von einer intrauterinen Wachstumsrestriktion (IUGR) beziehungsweise einer fetalen Wachstumsrestriktion (FGR).

Wenn bei Ihrem Kind eine Wachstumsrestriktion festgestellt wird, überprüfen wir die Entwicklung und Versorgung besonders engmaschig. Dazu gehören je nach Situation:

  • detaillierte Ultraschalluntersuchungen
  • regelmäßige Wachstumskontrollen
  • Doppleruntersuchungen der kindlichen und mütterlichen Blutgefäße
  • CTG zur Überwachung der kindlichen Herzfrequenz
  • bei entsprechender Indikation eine genetische Abklärung oder die Abklärung möglicher Infektionen

Die Untersuchungen und Kontrollen können – abhängig vom Befund – teilweise ambulant erfolgen. Bei einer deutlichen Verschlechterung der Versorgung kann eine stationäre Überwachung oder eine vorzeitige Entbindung erforderlich werden.

Den Zeitpunkt und die Art der Geburt stimmen wir individuell mit Ihnen ab. Wenn eine frühe Geburt notwendig wird, stehen die entsprechenden geburtshilflichen und neonatologischen Strukturen der Klinik St. Hedwig zur Verfügung.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man einer Präeklampsie vorbeugen?

Bei Frauen mit einem erhöhten Risiko kann eine vorbeugende Behandlung mit niedrig dosierter ASS das Risiko für eine frühe Präeklampsie deutlich reduzieren. Ob ASS für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihren individuellen Risikofaktoren ab. Die Einnahme sollte bei entsprechender Empfehlung möglichst früh in der Schwangerschaft, in der Regel vor der 16. Schwangerschaftswoche, beginnen.

Woran erkenne ich eine Präeklampsie?

Eine Präeklampsie kann zunächst ohne Beschwerden verlaufen. Mögliche Warnzeichen sind unter anderem starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schmerzen im Oberbauch, Atemnot, plötzlich auftretende Schwellungen oder eine rasche Gewichtszunahme. Bei solchen Beschwerden sollten Sie sich umgehend ärztlich untersuchen lassen.

Was bedeutet der sFlt-1-Spiegel?

sFlt-1 ist ein Botenstoff im Blut, der unter anderem die Bildung und Funktion von Blutgefäßen beeinflusst. Bei einer Präeklampsie kann der sFlt-1-Spiegel im mütterlichen Blut erhöht sein. Zusammen mit dem PlGF-Wert kann er Hinweise darauf geben, ob eine Präeklampsie vorliegt oder wie hoch das Risiko für einen weiteren Krankheitsverlauf ist.

Die Bestimmung des sFlt-1/PlGF-Quotienten kann daher bei entsprechendem Verdacht helfen, die weitere Überwachung und Behandlung von Mutter und Kind zu planen.

Bedeutet eine Präeklampsie automatisch eine Frühgeburt?

Nein. Entscheidend sind unter anderem der Schweregrad der Erkrankung, die Schwangerschaftswoche und der Zustand von Mutter und Kind. Wenn eine Fortführung der Schwangerschaft ein zu großes Risiko darstellt, kann jedoch eine frühzeitige Entbindung notwendig werden.

Was passiert, wenn mein Baby zu klein für die Schwangerschaftswoche ist?

Nicht jedes kleine Baby ist krank. Bei Verdacht auf eine Wachstumsrestriktion überprüfen wir deshalb die Entwicklung und insbesondere die Versorgung des Kindes mit Ultraschall und Doppleruntersuchungen. So lässt sich besser einschätzen, ob eine engmaschige Überwachung oder eine frühzeitige Geburt notwendig ist.

Wann sollte ich mich bei Beschwerden vorstellen?

Bei starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, starken Schmerzen im Oberbauch, Atemnot, deutlich erhöhtem Blutdruck oder anderen plötzlich auftretenden Beschwerden sollten Sie sich sofort geburtshilflich oder ärztlich untersuchen lassen. Bei akuten oder schweren Beschwerden wenden Sie sich bitte direkt an eine geburtshilfliche Einrichtung oder den medizinischen Notdienst.

Ein Job mit Herz – Ihre Karriere bei den BarmHERZigen Brüdern
Ein Job mit Herz – Ihre Karriere in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Jetzt bewerben!